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Einsatzberichte

Bericht in der Zürichsee-Zeitung Rechtes Ufer vom 13. August 2008. Das Copyright liegt vollumfänglich bei der Zürichsee-Zeitung. Den Bericht findet man ebenfalls auf der Webseite der Zürichsee-Zeitung.

Die einen raven, andere retten

Street Parade Unterwegs mit dem Seerettungsdienst Zollikon im Zürcher Seebecken
 
Während der Street Parade herrscht auch auf dem Zürichsee der Ausnahmezustand. Die «ZSZ» begleitete den Seerettungsdienst Zollikon auf der «Nautilus». Eine Reportage.
Isabelle Vloemans
 
Die Zolliker Seeretter im Einsatz: Mit kritischem Blick mustern sie den Schiffsverkehr vor der Quaibrücke. (Reto Schneider)
 

Normalerweise, wenn das Rettungsboot des Seerettungsdienstes Zollikon über den Zürichsee eilt, hat jemand die Telefonnummer 118 gewählt, weil er Hilfe benötigt. Heute jedoch steht ein Spezialeinsatz bevor: Wie jedes Jahr zählt die Polizei am Street-Parade-Nachmittag auf die Zusammenarbeit mit den Zollikern.

12.15 Uhr: Die «Nautilus» steuert die Einsatzzentrale der Wasserschutzpolizei der Stadt Zürich am Mythenquai 73 an. An Bord: Richi Damm (49), Kevin Guerrero (36) und Marco Pilloud (38). Im zivilen Leben sind sie Flughafensicherheitspolizist, Informatiker und Schwimmtrainer. An fünf Wochenenden pro Saison sind sie als Seeretter im Dienst. Pikettchef ist heute Christian Egli (44). Der Hauswart blickt auf 22 Jahre Erfahrung beim Seerettungsdienst Zollikon zurück. Gelassen geht er den heutigen Einsatz an.


12.30 Uhr: Befehlsausgabe der Wasserschutzpolizei. Ausser unseren Seerettern aus Zollikon unterstützen heute die Seerettungsdienste Küsnacht und Kirchberg die Polizei bei ihrer Arbeit. Der Auftrag an Zollikon: rechte Fahrrinne, die vom Hafen Riesbach bis Bellevue/ Limmat/Bürkliplatz führt, auf Höhe Quaibrücke von ZuschauerBooten freihalten, Damit die Schiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) auch am Street-Parade-Nachmittag ungehindert verkehren können.


12.45 Uhr: Die «Nautilus» legt ab und bewegt sich zu ihrem Einsatzgebiet. Noch sind wenige Boote auf dem Wasser. In Anbetracht des mässigen Wetters keine Überraschung für Pikettchef Egli.


13.50 Uhr: Ein Funkspruch erreicht die «Nautilus». Vor Tiefenbrunnen liegt ein Boot ohne Motorleistung. Zollikon übernimmt, weil die Lage vor der Quaibrücke ruhig ist.


14.00 Uhr: Beim Boot in Not angekommen, ist bereits ein Boot der Kantonspolizei vor Ort. «Die Elektronik spinnt», lautet das Urteil. Der Fahrer des Boots, Typ Sohn aus reichem Hause, macht einen leicht verzweifelten Eindruck. Wahrscheinlich will er sich vor seiner Begleiterin und seinem Kumpel nicht blamieren. Das Telefonieren mit dem Vater hilft leider nicht weiter. Egli nimmt sich der Sache an. Ein Handgriff, und alles ist wieder in Butter. «Wie hast du das gemacht?», wollen die anderen wissen, als die «Nautilus» wieder Richtung Quaibrücke braust. «Heilende Hände», lacht Egli. Der Journalistin verrät er, dass weniger Magie als vielmehr Grundwissen «Wie bediene ich ein Motorboot?» vonnöten war. Der Vorfall wird in den Rapport aufgenommen.


14.30 Uhr: Mehr und mehr Boote drängen sich vor der Quaibrücke, vom Pedalo bis zum riesigen Hightech-Kahn mit Schwyzer Kennzeichen. Auf einigen Booten fliesst schon der Champagner. Hüften beginnen sich zu den stetig lauter werdenden Beats zu bewegen. Egli sucht mit dem Feldstecher das Wasser unter der Brücke und das Ufer ab. Für den Fall, das jemand von der Brücke fallen sollte, haben die Seeretter die Weisung erhalten, auf keinen Fall ins Wasser zu springen. Denn beim extremen Zug, den die Limmat beim aktuellen, sehr hohen Wasserstand hat, wäre ein solches Vorgehen zwecklos. Stattdessen müsste unverzüglich eines der Polizei-Boote auf der Limmat kontaktiert werden.


15.00 Uhr: Ein Pedalo mit vier jungen, gut gelaunten Männern fährt vorbei, und diese bieten den Männern auf der «Nautilus» Red Bull zum Kauf an. Sie lehnen ab. Die Händler kommen diesmal unkontrolliert davon. Weil der Seerettungsdienst zur freiwilligen Feuerwehr und nicht zur Polizei gehört, ist er zu Kontrollen nicht befugt.


16.05 Uhr: Das erste Lovemobile erreicht die Quaibrücke. Immer wieder schallen «Züüriiiiii»-Rufe über den See. Und auf den Zuschauerbooten scheint jeder zu seinem eigenen Sound tanzen zu wollen. Nun ist man froh um die Oropax, die die Wasserschutzpolizei am Morgen verteilt hat. Ab und zu muss ein Schiff eingewiesen werden, sonst ist es friedlich. Seeretter Damm gönnt sich eine Zigarillo.


16.30 Uhr: Ein Schwimmer taucht neben der «Nautilus» auf. Er hievt seinen durchtrainierten Körper aus dem Wasser. Die Körpermitte ziert eine Tarzan-Badehose. Es ist Dani von der Kantonspolizei, der kurz hallo sagen will. Er ist heute nicht im Einsatz und geniesst die Party auf einem der Zuschauerboote.


17.30 Uhr: Soeben musste der Seerettungsdienst Zollikon ein Motorschiff zum dritten Mal von der Anlegestelle Bürkliplatz wegweisen. Die Kollegen von der Stadtpolizei werden informiert. Beim nächsten Mal kontrollieren sie das Schiff.


17.35 Uhr: Ein Funkspruch kommt rein. Ein Segelschiff mit Motorschaden kann den Hafen Mönchhof aus eigener Kraft nicht mehr erreichen. Der Seerettungsdienst Kilchberg hat den Funkspruch offenbar nicht gehört, weswegen Zollikon nun zu dem Segelschiff unterwegs ist.


17.45 Uhr: Die Segler vor dem Mönchhof, die Hilfe benötigen, kennt Seeretter Damm bereits von einem seiner früheren Pikettdienste her. Heute sind zwei leere Batterien ihr Problem, sie benötigen eine Starthilfe. Und die bekommen sie vom Seerettungsdienst. Man verabschiedet sich humorvoll «bis zum nächsten Mal». Aktionen wie diese gehören zu den Kernaufgaben des Seerettungsdienstes, des «TCS vom See». Häufig wählen Personen allerdings die 117 statt die 118 und landen bei der Kantonspolizei. Dies ist für den Seerettungsdienst ärgerlich, weil die Kantonspolizei den Fall dann bisweilen in eigener Regie erledigt. «Am Abend will halt jeder etwas in den Rapport schreiben können», sagt Egli.


21.00 Uhr: Die «Nautilus» wird im Bootshaus in Zollikon vertäut. Diesen Abend wird Christian Egli nicht allzu lange an seinem Rapport schreiben. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass man im Falle eines Falls mit Männern wie ihm rechnen kann. Wenn man denn die richtige Nummer wählt.



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